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Stromnetzausbau 2026: SuedLink im Bau – Genehmigungen auf Rekordniveau
Der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes hat nach Angaben der Bundesnetzagentur einen wichtigen Meilenstein erreicht: Mit SuedLink, A-Nord, Ultranet und SuedOstLink sind alle vier großen Nord-Süd-Gleichstromtrassen vollständig genehmigt. Parallel hat die Behörde im Jahr 2025 rund 2.000 Kilometer Leitungen planfestgestellt – etwa 45 Prozent mehr als im Vorjahr.
Das teilte die Bundesnetzagentur Anfang Januar 2026 in ihrer Jahresbilanz mit. Die Gesamtlänge der vollständig genehmigten Leitungen in der Zuständigkeit der Behörde liegt damit bei rund 4.700 Kilometern. Weitere rund 4.100 Kilometer befanden sich Ende 2025 im Planfeststellungsverfahren oder kurz davor. Insgesamt sind nach Angaben der Behörde derzeit rund 16.800 Kilometer Leitungen rechtlich als notwendig für den Netzausbau festgestellt; rund 9.600 Kilometer davon liegen in der Prüfung der Bundesnetzagentur, der Rest bei den Bundesländern.
„Wir haben die Absichten aus dem Vorjahr umgesetzt und auf ein Rekordjahr bei den Leitungsgenehmigungen ein weiteres folgen lassen“, sagte Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Der Ausbau des Stromnetzes sei von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Energiewende. Dass 2025 die Verfahren für vier große Stromautobahnen abgeschlossen worden seien, zeige, dass die Beschleunigung der vergangenen Jahre konkrete Ergebnisse bringe.
SuedLink: Größtes Gleichstromvorhaben komplett im Bau
Das prominenteste der vier Projekte ist SuedLink. Am 10. Oktober 2025 schloss die Bundesnetzagentur das Planfeststellungsverfahren für den letzten, rund 76 Kilometer langen Abschnitt ab – damit steht der gesamte Verlauf der Erdkabel-Trasse fest. Der Abschnitt führt vom Werratal bei Herleshausen an der hessisch-thüringischen Landesgrenze über Bad Salzungen bis zur bayerischen Grenze bei Henneberg.
SuedLink besteht aus zwei Gleichstromleitungen mit jeweils 2 Gigawatt Übertragungsleistung bei einer Spannung von 525 Kilovolt: Vorhaben 3 verbindet Brunsbüttel in Schleswig-Holstein mit Großgartach/Leingarten in Baden-Württemberg, Vorhaben 4 führt von Wilster ins bayerische Bergrheinfeld. Beide Leitungen werden auf einer Gesamtlänge von rund 700 Kilometern als Erdkabel verlegt und verlaufen überwiegend parallel. Verantwortlich für Planung, Bau und Betrieb sind die Übertragungsnetzbetreiber TenneT und TransnetBW. Die Leitungen sollen bis 2028 ans Netz gehen.
Nach Angaben von TenneT macht der Bau deutschlandweit Fortschritte: Im ersten Planfeststellungsabschnitt im Landkreis Rotenburg liegen bereits alle Kabel im Boden, die verbleibenden Restarbeiten sollen im Frühjahr 2026 abgeschlossen sein. Bei den ersten Konvertern ist demnach der Rohbau fertig, der Innenausbau hat begonnen. Bei der Elbquerung – einem 5,5 Kilometer langen, begehbaren Kabeltunnel unter der Elbe bei Glücksstadt – sind nach Unternehmensangaben beide Schächte fertiggestellt; die Tunnelbohrmaschine hat den tiefsten Punkt der Unterquerung bereits passiert. Besonderheiten der Trasse sind zudem ein 16 Kilometer langer Abschnitt im Bergwerk der Südwestdeutschen Salzwerke AG zwischen Bad Friedrichshall und Leingarten.
Beschleunigt wurde das Projekt durch vorzeitige Baubeginne: Seit Dezember 2022 genehmigte die Bundesnetzagentur 30 entsprechende Anträge, sodass früh mit naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen, Unterbohrungen und Rodungen begonnen werden konnte.
Was die Trassen transportieren sollen
Die vier Gleichstromkorridore adressieren das zentrale strukturelle Problem der Energiewende: Windstrom entsteht überwiegend im Norden, während die großen Verbrauchszentren und verbliebenen Industriestandorte im Süden und Westen liegen. SuedLink soll nach Angaben der Vorhabenträger Windstrom aus Norddeutschland in den Süden transportieren und umgekehrt bei Bedarf Solarstrom nach Norden. Über die Anbindung an NordLink kann zudem Wasserkraft aus Norwegen eingespeist werden.
Rechtliche Grundlage ist das Bundesbedarfsplangesetz, das SuedLink als Vorhaben 3 und 4 festschreibt und die vorrangige Verlegung als Erdkabel vorgibt. Das Genehmigungsverfahren lief nach dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz in einem mehrstufigen, öffentlichen Verfahren. Gegen einzelne Planfeststellungsbeschlüsse sind laut dem Portal netzausbau.de der Bundesnetzagentur Klagen vor dem Bundesverwaltungsgericht anhängig; die Behörde hatte die Beschlüsse für den Abschnitt D1 im März und Juni 2026 geändert. Baurechtlich steht der Trassenverlauf damit fest, juristische Verfahren laufen parallel zum Bau.
Investitionen und offene Punkte
Die Netzbetreiber treiben den Ausbau mit Rekordinvestitionen voran. TenneT meldete für das Jahr 2025 Investitionen von 14,8 Milliarden Euro in den Netzausbau; allein im ersten Halbjahr 2025 waren es 5,5 Milliarden Euro. Amprion gab bekannt, einen Rekordbetrag in den beschleunigten Ausbau zu investieren, mit Schwerpunkt auf den Nord-Süd-Gleichstromkorridoren und den ersten Offshore-Anbindungssystemen des Unternehmens.
Ganz ohne Verzögerungen kommt der Ausbau allerdings nicht: Amprion verschob die Fertigstellung des Offshore-Anbindungssystems BalWin1 um ein Jahr auf 2031. Solche Verschiebungen betreffen vor allem die Anbindung von Windparks auf See, die für die Strommengen der Trassen im Norden mitverantwortlich sind.
Neben den vier Gleichstromtrassen stehen weitere Projekte in der Pipeline: Ende 2025 befanden sich nach Behördenangaben rund 4.100 Kilometer Leitungen im Planfeststellungsverfahren oder kurz vor dessen Beginn. Im ersten Verfahrensschritt definiert die Bundesnetzagentur dabei einen rund 1.000 Meter breiten Korridor, erst in der anschließenden Planfeststellung wird der genaue Trassenverlauf festgelegt – unter Beteiligung der betroffenen Kommunen, Behörden und Vorhabenträger. Die Behörde betont, dabei den Verlauf mit den geringstmöglichen Auswirkungen auf Landschaft und Menschen zu wählen.
Für die nächsten Jahre steht die Frage im Raum, ob Baugeschwindigkeit, Fachkräfte und Lieferketten mit den Genehmigungsrekorden Schritt halten. Ende 2025 waren nach Angaben der Bundesnetzagentur für rund 4.700 Kilometer die Planfeststellungen abgeschlossen oder durch Gesetzesänderungen nicht mehr erforderlich – der Bau dieser Leitungen hat begonnen oder steht unmittelbar bevor. Ob der Netzausbau die Ziele der Energiewende zeitlich erreicht, hängt damit zunehmend von der Umsetzung auf den Baustellen ab und weniger von den Genehmigungsverfahren.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Energy transition clears crucial hurdle – significant progress in electricity grid expansion in 2025
- Bundesnetzagentur: Meilenstein – Stromleitung SuedLink vollständig genehmigt
- TenneT: SuedLink – Projektseite und Baustand
- TenneT: Grid investments 2025
- netzausbau.de: Vorhaben 3 – Brunsbüttel–Großgartach (SuedLink)



