Ladeinfrastruktur in Deutschland: 206.000 öffentliche Ladepunkte – und ein Nachfragethema

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Die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland ist weiter gewachsen: Im Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur waren zuletzt gut 206.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte verzeichnet. Das geht aus den Registerdaten der Behörde hervor, auf die sich auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in seiner aktuellen Bestandsaufnahme bezieht. 2017 waren es nach Angaben der Bundesnetzagentur noch knapp 7.000 Ladepunkte gewesen – binnen neun Jahren hat sich der Bestand damit fast verdreißigfacht.

Parallel steigt der Fahrzeugbestand. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mitteilte, überschritt die Zahl der in Deutschland zugelassenen reinen Elektro-Pkw im Januar 2026 erstmals die Marke von zwei Millionen – zum Stichtag waren demnach 2.034.260 BEV zugelassen. Die Neuzulassungen ziehen seitdem weiter an: Im September 2026 entfielen nach KBA-Angaben 88.599 neu zugelassene Pkw auf reine Elektroantriebe, was einem Anteil von 34,5 Prozent an allen Neuzulassungen entsprach. Bereits im Juni 2026 hatte die Behörde mit 84.057 Elektro-Neuwagen und einem Anteil von 28,4 Prozent ein Plus von 78,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gemeldet.

Das Ladesäulenregister bildet dabei nur die öffentlich zugängliche Infrastruktur ab. Wallboxen in Garagen, auf Firmenparkplätzen und in Wohnanlagen – nach Einschätzung der Branche die mit Abstand größte Gruppe der Lademöglichkeiten – sind in dieser Statistik nicht enthalten, weil sie nicht öffentlich zugänglich sind. Für die Versorgung unterwegs, auf Langstrecken und für Menschen ohne eigenen Stellplatz ist der öffentliche Bestand aber die entscheidende Größe.

Der Bestand von gut 206.000 Ladepunkten ist das Ergebnis eines über Jahre gleichmäßigen Ausbaus. Im Dezember 2024 hatte die Bundesnetzagentur noch rund 154.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte gemeldet, im Februar 2024 hatte der Bestand erstmals die Marke von 100.000 überschritten. Gemessen daran ist die Zahl der Ladepunkte allein seit Jahresbeginn 2025 um mehr als 50.000 gestiegen. Den stärksten Zuwachs verzeichnet die Behörde dabei jeweils in den Kategorien mit höherer Ladeleistung.

Für die Meldepflicht gilt: Betreiber müssen öffentlich zugängliche Ladepunkte der Bundesnetzagentur anzeigen; die Daten sind über das öffentliche Ladesäulenregister einsehbar. Der tatsächlich nutzbare Bestand kann von den Registerzahlen abweichen, weil vorübergehend außer Betrieb genommene Punkte nicht immer unmittelbar als solche ausgewiesen werden – darauf hatten in der Vergangenheit sowohl der ADAC als auch Fachmedien hingewiesen.

Schnelllader wachsen überdurchschnittlich

Der Ausbau konzentriert sich zunehmend auf leistungsstarke Anschlüsse. Nach Angaben des BDEW hat insbesondere die Zahl der Schnell- und Ultraschnelllader ab 150 kW deutlich zugenommen; rund 26 Prozent der öffentlichen Ladepunkte entfallen dem Verband zufolge inzwischen auf Schnellladepunkte. Auch der Ladedienstleister Elvah registriert nach eigener Auswertung einen bundesweiten Trend zu Stationen mit mindestens 130 kW Ladeleistung. An solchen Anschlüssen lassen sich aktuelle Fahrzeugmodelle je nach Batteriegröße in etwa 20 bis 30 Minuten auf einen Ladezustand von rund 80 Prozent bringen – so die Herstellerangaben, die je nach Modell und Außentemperatur variieren.

Zusätzlichen Schub soll ein privatwirtschaftliches Programm bringen: Nach den Planungen der beteiligten Unternehmen errichten private Betreiber bis Ende 2026 rund 900 Standorte mit etwa 8.000 Schnellladepunkten. Die Angaben stammen aus Branchenübersichten und Unternehmensplänen; wie viele der Standorte bereits in Betrieb sind, geht aus dem Register der Bundesnetzagentur erst mit zeitlicher Verzögerung hervor, weil Inbetriebnahmen der Behörde gemeldet werden müssen.

Daneben wächst die Infrastruktur auch an Orten, an denen Fahrzeuge ohnehin länger stehen: An Supermärkten, Baumärkten und an Autobahnraststätten entstehen den Registerdaten zufolge fortlaufend neue Ladepunkte. Für die Autobahnraststätten hatte die Bundesregierung in der Vergangenheit verbindliche Ausbauvorgaben in den Konzessionsverfahren verankert, die nun schrittweise greifen.

Auf europäischer Ebene setzt die Verordnung über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) zusätzliche Rahmenbedingungen: Sie schreibt den Mitgliedstaaten unter anderem vor, entlang der wichtigsten Verkehrsachsen in festen Abständen Schnellladekapazitäten für Pkw und später auch für Lkw bereitzustellen. Die Anforderungen gelten sektorübergreifend und werden in Stufen bis 2030 verschärft – sie gelten als einer der Gründe, warum Betreiber derzeit verstärkt entlang der Fernstraßen investieren.

BDEW: Auslastung bleibt der Knackpunkt

Trotz des wachsenden Angebots sieht der Branchenverband das eigentliche Problem nicht mehr auf der Angebotsseite. Derzeit sei die Ladeinfrastruktur kein Angebots-, sondern ein Nachfragethema, erklärte der BDEW Anfang des Jahres mit Blick auf die durchschnittliche Auslastung der Ladepunkte, die den Verbandsangaben zufolge weiterhin niedrig liegt. Für Betreiber bedeute das schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, da sich Standorte erst bei höherer Auslastung refinanzierten.

Die Verteilung bleibt regional ungleich. Aus den Registerdaten der Bundesnetzagentur geht hervor, dass dichter besiedelte Bundesländer und Ballungsräume deutlich mehr Ladepunkte je Fläche aufweisen als ländliche Regionen. Nach Auswertungen, die sich auf das Ladesäulenregister stützen, kommen deutschlandweit derzeit knapp 100 öffentliche Ladepunkte auf 1.000 zugelassene Elektro-Pkw. Dieser Kennwert war in den vergangenen Jahren gesunken, weil der Fahrzeugbestand zeitweise schneller wuchs als die Infrastruktur; zuletzt hat sich das Verhältnis stabilisiert.

Ein weiterer Engpass liegt jenseits der Ladesäule selbst: Branchenvertreter verweisen darauf, dass der Netzanschluss neuer Schnellladeparks in einzelnen Regionen Monate in Anspruch nehmen kann, wenn Ortsnetze erst verstärkt werden müssen. Die Bundesnetzagentur hatte die Netzbetreiber in der Vergangenheit aufgefordert, Anschlussanfragen für Ladeinfrastruktur beschleunigt zu bearbeiten.

Beobachter weisen zudem auf die nächste Ausbaustufe hin: Während der Pkw-Bereich flächendeckend versorgt sei, fehlten nach Einschätzung von Branchenvertretern weiterhin ausreichend Lademöglichkeiten für schwere Nutzfahrzeuge entlang der Fernstraßen. Wie schnell sich das Verhältnis von Fahrzeugbestand und Ladepunkten entwickelt, dürfte auch von den kommenden Neuzulassungszahlen abhängen – das KBA vermeldet zuletzt Monat für Monat steigende BEV-Anteile.

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